Drei Gründe warum MBSR der Goldstandard für Achtsamkeitsprogramme ist

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Achtsamkeit hat heute fast jeden Lebensbereich erobert, vom Klassenzimmer bis hin zu Unternehmen, populäre Magazine berichten darüber und sogar im Supermarkt an der Kasse wird Achtsamkeit propagiert. Aber das war nicht immer der Fall, Achtsamkeit als Mainstream gibt es zwar gefühlt schon länger, aber es ist eine verhältnismäßig neue Entwicklung.

Der Beitrag von Jon Kabat-Zinn

Wesentliche Verantwortung dafür hat die Arbeit von Jon Kabat-Zinn, der umfangreiche Texte und Bücher über das Lernen, die Praxis und sogar über wissenschaftliche Forschungen zu Achtsamkeit veröffentlicht hat. Er gründete 1979 die Stress Reduction Clinic an der University of Massachusetts, um Menschen zu helfen, die als „austherapiert“ galten. Sein Center for Mindfulness an der UMass Medical School war der Hauptmotor für die akademische Forschung, die Standardisierung der Lehrerausbildung und für das Entstehen einer weltweiten Gemeinschaft von Achtsamkeit-Praktizierenden. Das Flaggschiff des Ganzen ist Jon Kabat-Zinns MBSR- (mindfulness based stress reduction) Programm oder auch achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung.

Die drei Gründe

Aber warum spielt MBSR diese prominente Rolle? Meditation und Yoga, zwei Elemente des Kurses, gibt es schon seit Jahrhunderten, also was ist der Mehrwert dieses speziellen Programms?

Erstens: MBSR ist offen für Alle

In erster Linie und ganz wichtig, MBSR ist für alle offen.

  • Es gibt keine Erwartung oder Notwendigkeit, irgendeiner bestimmten Art von spirituellem Pfad zu folgen. Wenn Du einem folgen möchtest, kannst Du es tun.
  • Es gibt kein Beharren darauf eine „richtige“ Haltung (sowohl körperlich als auch geistig) einzunehmen, es geht um die Beobachtung und Wahrnehmung davon.
  • Alle Übungen werden gemäß Deinen augenblicklichen Möglichkeiten ausgeführt. Es darf leicht sein.
  • Die Übertragbarkeit der Erfahrungen in den Alltag steht im Vordergrund.

Das MBSR-Programm basiert auf neurowissenschaftlichen und psychologischen Erkenntnissen. Des Weiteren werden die Möglichkeiten vom Austausch in der Gruppe genutzt und aktuelle Lern- und Lehrmethoden spielen eine Rolle bei der Durchführung. Dadurch ist MBSR zugänglich und anwendbar, sowohl im Leben des Einzelnen, als auch in der Welt der Unternehmen und Organisationen.

Zweitens: Ein standardisiertes, wissenschaftlich untersuchtes Konzept

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Zweitens: Bei MBSR handelt es sich um einen spezifischen und weltweit standardisierten Lehrplan. So wurde MBSR zum Untersuchungsgegenstand Nummer 1 für die Forschung, wenn es um die Effekte von Achtsamkeit ging. Bei den Studien ging es um die Auswirkung von Achtsamkeitstrainings auf

  • die Fähigkeit von Teilnehmenden zu fokussieren,
  • das Wohlbefinden von Mitarbeiter,
  • die Erholung nach medizinischen Eingriffen,
  • die Ergebnisse bei Prüfungen von Schülern und Studenten,
  • den Umgang mit Schmerzen,
  • die Wirkung bei Depressionen und Angststörungen,
  • die Effekte in der Burnout-Prophylaxe und -Nachsorge und
  • andere psychische und physische Einschränkungen.

MBSR wurde zur Basis für ähnliche Programme wie Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT), Mindful Self-Compassion (MSC) und über ein Duzend weiterer strukturierter Mindfulness-based Programme bei unterschiedlichsten Anforderungen.

Drittens: Es ist hilfreich für die Teilnehmenden

MBSR hat nicht zuletzt diese große Bedeutung, weil die Menschen, die sich den acht Wochen des Programms widmen, wichtige und nachhaltige hilfreiche Erfahrungen für ihr alltägliches Leben machen, sowohl beruflich als auch privat. Dabei ist es egal, ob es sich um Präsenz- oder Online-Trainings handelt, es verändert sich etwas. Evidenzbasierte Untersuchungen zeigen, dass die Übung der Achtsamkeit im allgemeinen hilfreich, herausfordernd und eine langanhaltende Wirkung auf denjenigen hat, der sich darauf einlässt.

Was unterscheidet MBSR von anderen Achtsamkeitsprogrammen?

Vielleicht haben Sie noch keine Erfahrung mit der Praxis von Achtsamkeit oder Sie verfügen schon über viele Jahre persönliche Meditations-Praxis in anderen Kontexten, vielleicht auch mit Apps oder Online-Tools. Aber was ist anders bei MBSR?

Verlässliche und strenge Ausbildungskriterien für Lehrerende

MBSR-MBCT Verband in Deutschland.

MBSR ist nicht nur das erste und am meisten untersuchte säkulare Achtsamkeitsprogramm seiner Art, sondern verfügt auch über eine jahrzehntelange strenge Lehrerausbildung mit regelmäßiger Überprüfung der Lehrerkompetenzen. Dadurch sind die mit einer entsprechenden Zertifizierung ausgewiesenen Trainer in der Lage, die für die Durchführung des Trainings notwendigen hohen Standards einzuhalten.

Standardisierter Lehrplan

Bei MBSR wird gemäß einem spezifischen und methodischen Lehrplan unterrichtet. Teilnehmende werden durch einen Lern- und Praxisprozess geführt, der auf vierzig Jahren kontinuierlicher wissenschaftlicher Forschung basiert.

Nutzung von Gruppenprozessen

Schließlich ist MBSR ein Programm, das gemeinsam mit anderen durchlaufen wird, so dass Sie nicht nur die Möglichkeit haben, sich mit dem Trainer auszutauschen, sondern auch in den Kontakt mit anderen Teilnehmern zu gehen, die sich auf ihrer eigenen Achtsamkeitsreise befinden.

Herausfordernd, aber probieren Sie es doch einfach aus

Vielleicht haben auch schon überlegt mal an einem MBSR-Programm teilzunehmen, oder vielleicht hören Sie jetzt das erste Mal davon. MBSR kann sowohl herausfordernd als auch unterstützend sein, wichtig ist sich für das Programm zu verpflichten:

  • Einmal pro Woche für acht Wochen zu treffen,
  • ein ganzer Tag im Schweigen und
  • Hausaufgaben an jedem Tag

Während der acht Wochen kann das manchmal sehr viel für „nur einen Achtsamkeitskurs“ erscheinen. Aber dafür finden Sie eine Kontext, der Sie inspiriert und neue umsetzbare Wege lehrt, den Schwierigkeiten und Freuden des Lebens zu begegnen. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie die Art und Weise, wie Sie sich selbst, Ihre Arbeit und die Menschen um Sie herum sehen, verändern.

Der Artikel basiert auf einem von Ted Meissner auf https://www.mindfulleader.org veröffentlichten Artikel „3 Reasons Why MBSR Should be the Workplace Standard“ (21.01.2020)

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