Eine Meditationsgruppe am Arbeitsplatz einrichten

Selbst in Zeiten der Heimarbeit verbringen die Berufstätigen immer noch viel Zeit an ihrer Arbeitsstelle, im Büro, in der Werkshalle, auf der Baustelle, unterwegs oder wo auch immer sie der Job hinführt. Damit ergeben sich viele Möglichkeiten Achtsamkeit an die unterschiedlichsten Orte zubringen. Unsere individuelle Praxis der am Arbeitsplatz ist ein integraler Bestandteil des Prozesses Achtsamkeit in unseren Alltag zu etablieren. Wenn wir uns aber ausschließlich auf unsere individuelle Praxis konzentrieren, verpassen wir eine großartige zusätzliche Chance des persönlichen Wachstums. Eine weitere Möglichkeit ist nämlich, sich mit Kollegen zusammenzutun und zu praktizieren. In einer Gruppe können neue und starke Impulse für alle Mitglieder entstehen und so können sie gegenseitig voneinander für ihre eigene Praxis profitieren. Die Umsetzung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, die Etablierung einer Meditationsgruppe, einen regelmäßigen Austausch zu Büchern oder Best-Practices, achtsame Mittagessengruppen oder Anderes. Dies wird sich von Unternehmen zu Unternehmen aufgrund unterschiedlicher Tätigkeitsfelder, Kultur, Gegebenheiten und sozialem Umfeld unterscheiden.

Achtsamkeitsgruppen am Arbeitsplatz (Photo by Lesly Juarez on Unsplash)

Wie aber anfangen und muss das nicht von den Vorgesetzten oder dem betrieblichen Gesundheitsmanagement organisiert werden? Nein, es muss nicht von oben angeordnet und organisiert werden. Die erfolgreichsten Programme bei Unternehmen wurden von Mitarbeitern für Mitarbeiter initiiert. Mit anderen Worten, man muss nicht darauf warten, dass der Arbeitgeber Raum für Achtsamkeit schafft – Mitarbeiter können ihrem Unternehmen Achtsamkeit schenken, indem sie eine achtsame Community gründen. Wie könnte man dazu aber vorgehen?

Werde Dir erst einmal über Deine Absicht bewusst

Werde Dir, am besten mit Unterstützung Deiner eigenen Praxis, Deiner Absicht und Ziele bezüglich der Organisation einer Achtsamkeitsgruppe bei Deinem Arbeitgeber bewusst. Was erhoffst Du Dir zu erreichen? Möchtest Du, dass sich Kollegen gegenseitig helfen, besser mit Stress umzugehen oder soll eine Kultur des Bewusstseins aufgebaut werden, indem zum Beispiel Stille erfahrbar wird? Oder ist Dein Ziel der Aufbau eines Netzwerkes zum Austausch von Ideen, Erfahrungen, Übungen oder ähnlichem?

Finde jemanden der Deine Idee unterstützt

Innerhalb von Unternehmen gibt es häufig Strukturen und Prozesse, die für die Nutzung von Räumen, Kommunikationskanälen und anderem berücksichtigt werden müssen. Des Weiteren sind rechtliche Vorgaben einzuhalten. Daher ist es hilfreich eine Person die im Unternehmen eine formale oder informell leitende Position inne hat, für die Idee zu begeistern und als Unterstützer zu gewinnen. Mit ihrer Unterstützung können innerbetriebliche Hürden einfacher und schneller genommen werden. Diese Person muss nicht zwangsläufig selbst Teil der Gruppe sein, es ist ausreichend wenn sie die Idee unterstützt. In diesem Fall sollte aber zumindest ein regelmäßiger Austausch mit ihr erfolgen.

Wähle eine qualifizierte Person für die Leitung aus

Abhängig vom Ziel der Community wird eine qualifizierte Person für die Leitung der Gruppe benötigt, das musst nicht automatisch Du sein. Wenn es um die gemeinsame Praxis geht, sollte jemand mit Anleitungserfahrung die Gruppe leiten. Wenn es um den Austausch geht, könnte von Termin zu Termin jemand anderes ein Thema aus seiner eigenen Erfahrung vorstellen und den Austausch organisieren. Alternativ sind auch online Ressourcen verfügbar, mit angeleiteten Meditationen oder anhand derer man Treffen planen und durchführen kann. Sollte niemand dafür zur Verfügung stehen, kann Unterstützung bei Achtsamkeitszentren, wie zum Beispiel beim Zentrum für Achtsamkeit und Mitgefühl in Heppenheim :-), gefunden werden.

Konsistenz und Kontinuität

Konsistenz und Kontinuität sind der Schlüssel zum erfolgreichen Aufbau einer Achtsamkeit Community im Unternehmen (und im allgemeinen ebenfalls). Sei konsistent und verlässlich in Bezug auf Inhalt und Ort. Trefft Euch zur gleichen Zeit und am gleichen Ort und bietet ein konsistentes Format an – das hilft den Teilnehmern zu planen und Vertrauen in die Verlässlichkeit der Gruppe aufzubauen. So kann die Gemeinschaft zu einer unterstützenden Ressource für die individuelle Praxis werden. Bezüglich der räumlichen Voraussetzungen gilt, dass man mit den räumlichen Voraussetzungen arbeiten sollte die existieren. Das kann schon die erste Achtsamkeitspraxis sein, nämlich die der Akzeptanz. Es gilt: Das Treffen selbst ist wichtiger als der Raum in dem das Treffen stattfindet.

Sei realistisch und geduldig

Der Aufbau solch einer Achtsamkeitsgemeinschaft kann viele Monate in Anspruch nehmen. Es ist sogar wahrscheinlich, dass niemand zu den ersten Treffen erscheint. Sei bereit, im Raum zu bleiben und alleine zu praktizieren. Es ist wahrscheinlich, dass Leute zu spät kommen oder früher gehen müssen. Mach all dies zu einem Teil der Praxis. Hole die Menschen dort ab, wo sie sich gerade zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Entwicklung befinden. Sei allerdings auch achtsam zum Rest der Gruppe und vermeide soweit wie möglich störende Unterbrechungen. Sei offen für die Bedürfnisse der Gruppe und sei bereit, im Geiste der Konsistenz und Kontinuität, Anpassungen vorzunehmen und zu experimentieren, wenn es nötig ist.

Möge die Macht der achtsamen Erfahrung mit Euch sein.

Keine Zeit zum Meditieren?

Unser Leben ist voll mit Terminen, Verpflichtungen und anderen Dingen die uns beschäftigt halten. Einige Tage kommen uns hektischer vor und andere sind hoffentlich etwas ruhiger. Wenn wir mit Aufgaben in der Familie, mit Terminen von der Arbeit und mit Unternehmungen mit Freunden jonglieren, geht in der Hektik schnell mal ein Vorhaben unter. Leider ist das allzu oft die tägliche Praxis der Achtsamkeit.

Raum zur Achtsamkeitsmeditation

Ich bekomme häufig als Rückmeldung von Teilnehmern der MBSR Kurse, dass die Praxis in den Alltag einzubauen eine der größten Herausforderungen darstellt. In solchen Situationen gibt es Möglichkeiten die Praxis trotz Zeitmangel nicht gänzlich zu vernachlässigen. Dazu gehört aber auch, wahrzunehmen, dass momentan nur wenig Zeit für Deine Praxis bleibt und, dass Du Deine Prioritäten noch einmal überprüfen solltest. Wenn Dir dauerhaft keine Zeit für längere Meditationen bleibt, scheint etwas Grundlegendes falsch zu laufen. Nutze also diese nachfolgenden Optionen nicht als Ausrede.

Situation Gelb: Gut beschäftigt, aber noch Zeit für Achtsamkeitspausen

Wenn Du keine Zeit für längere Pausen hast um Achtsamkeit zu praktizieren, kannst Du versuchen Deine Praxis auf kürzere Übungen aufzuteilen. Dies können kurze Übungen aus der informellen Praxis des MBSRs sein. Vielleicht helfen Dir kurze Achtsamkeitsphasen bei der Morgenwäsche, z.B. drei bewusste Atemzüge vor dem Spiegel oder langsames und bewusstes Zähneputzen, indem Du Deine Gedanken immer wieder auf das Zähneputzen zurück bringst. Dann kannst Du bei Deinem Lieblingsgetränk am Morgen weiter machen, indem Du es bewusst trinkst und immer wieder Pausen machst. Mit dem bewussten Wahrnehmen des Geschmacks, kannst Du vielleicht mehr mit Deinem Körper in Kontakt kommen. Im Laufe des Tages ist es Dir vielleicht möglich einen achtsamen Spaziergang einbauen, auch wenn es nur ein kurzer ist. Nimm dabei wahr, wie die Füße den Boden berühren und Du vom Boden getragen wirst. Ein Spaziergang ist eine wundervolle Möglichkeit den Kopf frei zu bekommen. Nimm Dir beim Abendessen einen Moment Zeit, um dankbar für die Speisen zu sein und denke an all die Menschen und Kräfte, die an der Herstellung beteiligt waren. Dieser kleine Moment der Dankbarkeit kann das Abendessen zu einem Festmahl werden lassen. Und am Abend kannst Du Dir im Bett vielleicht 3-5 Minuten Zeit nehmen, bewusst Deinem Atem und Deine Gedanken zu beobachten.

Situation Rot: Sehr beschäftigt, aber kurze Übungen über den Tag sind möglich

Manchmal haben wir nur ein paar Minuten für uns selbst – und das ist in Ordnung. Selbst wenn Du nur eine kurze Pause einlegst, um tief durchzuatmen, um zu erkennen wie Du Dich gerade in diesem Moment fühlst, um Deine Umgebung wahrzunehmen, das kann ausreichen um den Autopiloten zu beenden. Folgende zweiminütige Übung des Innehaltens ist überall möglich, am Schreibtisch, an der roten Ampel oder sogar auf der Toilette.

  • Nimm einen tiefen Atemzug.
  • Frage Dich, was ist jetzt in diesem Moment?
  • Was kann ich an Körperempfindungen wahrnehmen , meine Haltung, Müdigkeit, Hunger, Spannung, Schmerz, Wärme, Kälte, Leichtigkeit
  • Welche Gedanken sind jetzt da, vielleicht Tagträume, Überlegungen, Planungen, Erinnerungen?
  • Welche Empfindungen kann ich wahrnehmen, vielleicht ist da Langeweile, Ablehnung, Interesse, Freude?
  • Alles offen und wohlwollend wahrnehmen wie es jetzt ist ohne es zu bewerten oder sich dafür zu verurteilen.

Und dann wieder den Raum wahrnehmen in dem Du Dich befindest.

Situation Dunkelrot: Total Land unter, aber kurze Momente der Achtsamkeit sind möglich

Wenn Du absolut zu beschäftigt bist, beim achtsamen Kaffeetrinken tief zu atmen oder Dir zwei Minuten für ein Innehalten zu nehmen, dann mache Dinge die Du sowieso tust achtsam, zum Beispiel etwas schreiben, Auto fahren, jemandem zuhören oder etwas lesen. Versuche es zu vermeiden, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen.
Versuche zum Beispiel achtsam eine E-Mail zu schreiben:

  • SCHREIBE die E-Mail
  • STOPPE und nimm einen langen tiefen Atemzug. Nimm den Atem wahr und zähle bis drei, vielleicht im Rhythmus des Atems
  • DENKE an den Empfänger, wie soll die Person Deine E-Mail empfangen? Könnte sie Worte missverstehen, wütend werden oder sich angegriffen fühlen? Vielleicht nimmt sie Dich auch positiver wahr, als Du es beabsichtigst?
  • ÜBERPRÜFE Deinen Entwurf noch einmal
  • VERÄNDERE ihn wenn nötig
  • VERSENDEN

Vielleicht helfen Dir diese Punkte an der einen oder anderen Stelle Achtsamkeit in Deinen Alltag zu integrieren und darum geht es doch schließlich, oder?