Achtsamkeit hat sich in der Arbeitswelt längst etabliert – meist unter dem Stichwort Stressreduktion. Ein aktueller Beitrag auf Wirtschaftspsychologie aktuell von Shamsey Oloko und Svea von Hehn zeigt jedoch, dass die Forschung inzwischen deutlich weiterdenkt. Die Autorinnen sprechen von einer „dritten Welle der Meditationsforschung“ – und die wirft interessante Fragen auf, gerade für den beruflichen Alltag.
Drei Wellen, ein wachsendes Verständnis
Die erste Welle der Meditationsforschung (ca. 1995–2005) fragte schlicht: Wirkt Achtsamkeit überhaupt? Kann sie Stress reduzieren, Angst lindern, das Wohlbefinden verbessern? Die zweite Welle (ca. 2005–2020) ging der Frage nach dem Warum nach – welche neurobiologischen und kognitiven Mechanismen hinter diesen Effekten stecken. Die seit 2021 entstehende dritte Welle stellt eine neue Frage: Was lässt sich durch eine langfristige Praxis über die reine Stressreduktion hinaus entwickeln?
Im Zentrum steht dabei ein Aspekt, der für den Berufsalltag besonders relevant ist: die Fähigkeit, zwischen einem Reiz und der eigenen Reaktion einen Moment der Wahlfreiheit zu gewinnen – und langfristig auch die eigene Identifikation mit Gedanken, Meinungen und Selbstbildern flexibler zu gestalten.
Warum das für Deinen Berufsalltag relevant ist

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Der Artikel beschreibt ein Beispiel, das vielen aus dem eigenen Arbeitsalltag bekannt vorkommen dürfte: Eine Führungskraft erhält Feedback, ihr Stil wirke kontrollierend – und reagiert reflexartig verletzt und abwehrend. Genau hier setzt Achtsamkeit an: Sie hilft, aufkommenden Ärger wahrzunehmen, ohne sofort aus ihm heraus zu handeln. Dieser kurze Moment zwischen Reiz und Reaktion ist es, der Handlungsspielraum schafft – die Grundlage für das, was in der Forschung als Selbstführung bezeichnet wird.
Das betrifft längst nicht nur Menschen in Führungspositionen. Ob Feedbackgespräch, Konflikt im Team oder eine Entscheidung unter Zeitdruck: Überall dort, wo das eigene Selbstbild unter Druck gerät, entscheidet dieser kleine Moment der Wahlfreiheit darüber, ob wir automatisch reagieren oder bewusst antworten. Auch der McKinsey-Seniorpartner Manish Chopra argumentiert, dass gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz innere Klarheit und ein weises Urteilsvermögen wichtiger werden – Fähigkeiten, die sich durch eine kontemplative Praxis fördern lassen.
Fortgeschritten oder nicht – die Basis bleibt dieselbe
Ein zentraler Punkt des Artikels: Die dritte Welle liefert kein fertiges Trainingsprogramm, und sie macht auch keine Aussage darüber, dass es fortgeschrittene, exotische Meditationsformen bräuchte, um von diesen Effekten zu profitieren. Im Gegenteil – die Autorinnen betonen ausdrücklich, dass für Führungskräfte wie für alle anderen zunächst eine stabile, regelmäßige Achtsamkeitspraxis entscheidend ist. Sie bildet die Grundlage dafür, automatische Reaktionsmuster überhaupt erst zu erkennen und den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern – unabhängig davon, ob später noch vertiefende Praxisformen dazukommen.
Genau diese Grundlage – eine strukturierte, wissenschaftlich fundierte und alltagstaugliche Achtsamkeitspraxis – ist das, was ein MBSR-Kurs vermittelt: acht Wochen, in denen Du Schritt für Schritt lernst, den Moment zwischen Reiz und Reaktion bewusster wahrzunehmen und zu nutzen. Das zahlt sich nicht nur bei Stress aus, sondern überall dort, wo Du im Berufsalltag klar bleiben, Feedback offen aufnehmen oder unter Unsicherheit gute Entscheidungen treffen willst.
Die eigene Praxis aufbauen
Ab dem 22. September 2026 starte ich einen neuen achtwöchigen MBSR-Kurs, dienstags um 18:30 Uhr im Zentrum Neue Horizonte in der Heppenheimer Wilhelmstraße. Wenn Du die Grundlage für mehr Klarheit und Handlungsspielraum in Deinem Berufsalltag legen möchtest, bist Du herzlich eingeladen.
Alle Informationen findest Du unter achtsamkeit-heppenheim.de/mbsr. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.
Quelle: Oloko, S. & von Hehn, S. (2026). Die dritte Welle der Meditationsforschung: Learnings für Führung & Selbstführung. Wirtschaftspsychologie aktuell, 16. September 2026. (https://wirtschaftspsychologie-aktuell.de/magazin/fuehrung/die-dritte-welle-der-meditationsforschung-learnings-fuer-fuehrung-selbstfuehrung/)
