Warum individuelle Stressbewältigung allein nicht ausreicht –

 – und was Du im MBSR Kurs trotzdem gewinnst

Ein MBSR-Kurs vermittelt in erster Linie eines: die eigene Fähigkeit, mit Stress bewusster umzugehen. Doch eine aktuelle schwedische Studie, die kürzlich auf Wirtschaftspsychologie aktuell vorgestellt wurde, macht deutlich, dass individuelle Stressbewältigungskompetenz allein oft nicht ausreicht, um dauerhaft gesund im Beruf zu bleiben. Ein guter Anlass, genauer hinzuschauen – auch mit Blick auf das, was ein Achtsamkeitskurs leisten kann und was nicht.

Was die Studie zeigt

Anja Beno und Kolleg*innen haben Menschen befragt, die Jahre zuvor wegen eines Erschöpfungssyndroms krankgeschrieben waren, zu ihrer Erfahrung mit der Rückkehr in den Job. Aus den Interviews ergaben sich drei Bereiche, die für einen gesunden Wiedereinstieg entscheidend waren:
(1) klar definierte Aufgaben und Prozesse auf Unternehmensebene,
(2) ansprechbares und empathisches Führungsverhalten sowie
(3) die Möglichkeit, die eigene Arbeit an persönliche Bedürfnisse anzupassen – etwa durch flexible Arbeitszeiten oder einen individuell geplanten Wiedereinstieg.

Bemerkenswert ist, was viele Befragte vermissten: Häufig wurde nur auf individueller Ebene nach den Ursachen für die Erschöpfung gesucht, während die Organisation und ihre Abläufe als Ganzes kaum hinterfragt wurden. Mit anderen Worten – wenn ein System strukturell überlastend wirkt, kann noch so viel individuelle Selbstfürsorge das nicht dauerhaft ausgleichen.

Zwei Ebenen, die zusammengehören

Genau hier setzt aus meiner Sicht ein wichtiger Punkt an, der oft übersehen wird: Individuelle Stressbewältigungskompetenz und organisationale Rahmenbedingungen sind kein Entweder-Oder, sondern greifen ineinander. Ein MBSR-Kurs kann Dir helfen, eigene Belastungsgrenzen früher wahrzunehmen, automatische Stressreaktionen zu unterbrechen und bewusster mit schwierigen Situationen umzugehen. Das ist wertvoll – reicht aber nicht aus, wenn die Rahmenbedingungen selbst überlastend bleiben: unklare Rollen, fehlende Führung, keine Möglichkeit zur individuellen Anpassung der eigenen Arbeit.

Was ein Achtsamkeitskurs dabei zusätzlich leisten kann, ist etwas, das in der öffentlichen Diskussion oft zu kurz kommt: Er schärft nicht nur den Blick nach innen, sondern auch den Blick auf das eigene Umfeld. Wer lernt, die eigenen Signale von Überforderung früher und klarer wahrzunehmen, entwickelt oft auch ein feineres Gespür dafür, wann eine Belastung nicht (nur) an der eigenen Bewältigungsfähigkeit liegt, sondern an fehlenden Strukturen – unklaren Erwartungen, mangelnder Unterstützung durch Führungskräfte oder fehlender Flexibilität. Diese Wahrnehmung ist die Voraussetzung dafür, solche Themen überhaupt ansprechen zu können, statt sie stillschweigend mit noch mehr individueller Anstrengung zu kompensieren.

Was das für Dich bedeuten kann

Wenn Du also einen MBSR-Kurs besuchst, geht es nicht darum, Dich noch belastbarer für ein System zu machen, das strukturell überfordert. Es geht darum, eine Grundlage zu schaffen, von der aus Du klarer unterscheiden kannst: Was kann ich selbst regulieren – und wo braucht es ein Gespräch mit meiner Führungskraft, meinem Team oder meiner Organisation über die Rahmenbedingungen? Diese Unterscheidungsfähigkeit ist oft der erste Schritt, um beides sinnvoll miteinander zu verbinden: die eigene Stresskompetenz und die berechtigte Frage nach besseren strukturellen Bedingungen.

Gemeinsam üben, klarer wahrnehmen

Ab dem 22. September 2026 starte ich einen neuen achtwöchigen MBSR-Kurs, dienstags um 18:30 Uhr im Zentrum Neue Horizonte in der Heppenheimer Wilhelmstraße. Neben der individuellen Stressbewältigung geht es dabei auch darum, den eigenen Blick für das große Ganze zu schärfen – für das, was Du selbst verändern kannst, und für das, was ein offenes Wort an die richtige Stelle braucht.

Alle Informationen findest Du unter achtsamkeit-heppenheim.de/mbsr. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.


Quelle: Bock, I. (2026). Studie: Rückkehr in den Job nach Erschöpfung braucht ganzheitliche Unterstützung. Wirtschaftspsychologie aktuell, 28. August 2026, basierend auf: Beno, A., Jonsdottir, I. H., & Lindegård, A. (2026). Facilitating Return to Work through a Broader Perspective on Vocational Rehabilitation: Insights from Patients with Stress-Related Disorders. Journal of Occupational Rehabilitation, 36(3), 783–792.

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