Ein Achtsamkeitskurs bedeutet für die meisten Menschen: ein fester Termin, ein Raum, eine Gruppe. Doch die Forschung beschäftigt sich zunehmend auch mit der Frage, ob und wie sich Achtsamkeitstraining digital vermitteln lässt – über Apps, Videocalls oder selbstgesteuerte Online-Programme. Ein Blick in die aktuelle Ausgabe der Mindfulness Research Monthly der American Mindfulness Research Association (AMRA) zeigt, wo diese Forschung gerade steht.

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Wer erreicht wird – und wer nicht
Eine im JMIR mHealth and uHealth veröffentlichte Untersuchung von Foster und Kolleg:innen ging der Frage nach, wie sich frühere Erfahrung mit Telemedizin darauf auswirkt, wer überhaupt an einer telefonisch bzw. videobasiert durchgeführten Achtsamkeitsstudie für Menschen mit chronischen Rückenschmerzen teilnimmt. Im Kern geht es um eine wichtige Frage: Digitale Formate versprechen zwar niedrigere Zugangshürden – etwa für Menschen ohne Zeit oder Möglichkeit, regelmäßig einen Kursraum aufzusuchen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass ausgerechnet Personen mit wenig Telehealth-Erfahrung schwerer zu erreichen sind. Digitale Angebote lösen also nicht automatisch das Problem des Zugangs, sie verschieben es teilweise nur.
Was gerade neu erforscht wird
Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf die Projekte, die im Juni und Juli 2026 neu vom amerikanischen National Institutes of Health gefördert wurden – hier zeigt sich, wohin sich das Feld in den kommenden Jahren bewegen wird:
Am Beth Israel Deaconess Medical Center untersucht ein Team um John Torous systematisch die Wirksamkeit von Achtsamkeits-Apps – ein Zeichen dafür, wie viele solcher Anwendungen mittlerweile im Umlauf sind, ohne dass ihre tatsächliche Wirkung gut belegt wäre. An der Oregon Health & Science University startet die sogenannte LIFT-Studie: ein selbstgesteuertes, mobiles Achtsamkeitsprogramm für Menschen, die eine schwere Atemwegserkrankung überlebt haben und unter anhaltender psychischer Belastung leiden. Und an der University of California, San Francisco wird ein mobiles Achtsamkeitsprogramm für Menschen mit Angst und riskantem Alkoholkonsum entwickelt und getestet.
Wichtig dabei: Es handelt sich um neu gestartete Forschungsprojekte. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor – die Studien zeigen also vor allem, wie viel Forschungsinteresse gerade in digitale und selbstgesteuerte Formate fließt, nicht, dass diese bereits als wirksam belegt wären.
Was das für die Wahl des Formats bedeutet
Aus der bisher vorliegenden Forschung – auch aus den in einem früheren Artikel beschriebenen Studien zu klassischem MBSR – lässt sich ableiten, dass ein wesentlicher Wirkfaktor die Struktur, Regelmäßigkeit und die begleitete Praxis in der Gruppe ist: die feste wöchentliche Verabredung, die Anleitung durch eine ausgebildete Kursleitung, der Austausch mit anderen Teilnehmenden, die ähnliche Erfahrungen machen. Genau diese Elemente sind bei rein selbstgesteuerten App-Programmen naturgemäß schwerer abzubilden, und die neu gestarteten Studien werden zeigen müssen, ob und wie gut sich das kompensieren lässt.
Digitale Formate können also eine sinnvolle Ergänzung sein – etwa für die eigene Praxis zwischen den Kurssitzungen. Der persönliche, begleitete Rahmen eines klassischen MBSR-Kurses bleibt aber nach heutigem Forschungsstand die am besten untersuchte und am besten belegte Form, um Achtsamkeit wirksam zu erlernen.
Lust, es in der Gruppe auszuprobieren?
Ab dem 22. September 2026 starte ich einen neuen achtwöchigen MBSR-Kurs, dienstags um 18:30 Uhr im Zentrum Neue Horizonte in der Heppenheimer Wilhelmstraße – mit persönlicher Begleitung, fester Struktur und einer Gruppe, die den Weg gemeinsam geht.
Alle Informationen findest Du unter achtsamkeit-heppenheim.de/mbsr. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.
Quelle: Mindfulness Research Monthly, Vol. 17, Issue 197 (Jul–Aug 2026), American Mindfulness Research Association, www.goAMRA.org
