Was die aktuelle Forschung über Achtsamkeitstraining sagt – und warum das auch für Dich interessant sein könnte

Kaum ein Themenfeld der Psychologie wird derzeit so intensiv erforscht wie achtsamkeitsbasierte Trainingsformate. Allein im Juli und August 2026 sind laut der Mindfulness Research Monthly der American Mindfulness Research Association (AMRA) dreißig neue wissenschaftliche Arbeiten dazu erschienen. Ein guter Anlass, einen Blick auf einige der Ergebnisse zu werfen – und zu fragen, was das für Dich persönlich bedeuten könnte.

Wenn der Alltag zu viel wird

Ein wiederkehrendes Thema in der aktuellen Forschung ist Stress im ganz normalen Alltag – nicht als Krankheit, sondern als etwas, das viele Menschen in bestimmten Lebensphasen an ihre Grenzen bringt. Eine indische Forschungsgruppe um Bindhani, veröffentlicht in The Journal of General Psychology, untersuchte, wie sich achtsamkeitsbasierte Ansätze bei Studierenden auswirken und fand eine spürbare Reduktion von Stress bei gleichzeitig gestärkter Achtsamkeit im Alltag.

Auch bei pflegenden Angehörigen zeigt sich ein ähnliches Bild: Ein Team um Kor entwickelte im Rahmen einer in JMIR Aging veröffentlichten Studie eine kurze, alltagstaugliche Achtsamkeitsintervention für Angehörige von Menschen mit Demenz – mit dem Ziel, Stress genau dann abzufangen, wenn er entsteht. Und in den USA untersuchten Burgess und Kolleg*Innen in JAMA Internal Medicine, wie sich Achtsamkeitstraining über Gruppensprechstunden in der hausärztlichen Versorgung auf den Zugang zu wirksamer Schmerzbewältigung auswirkt.

Übergänge im Leben: Geburt, Wechseljahre, Krankheit

Besonders aufschlussreich finde ich die Studien zu einschneidenden Lebensphasen. Eine türkische Forschungsgruppe um Küçükkaya verglich in einer randomisiert-kontrollierten Studie (BMC Complementary Medicine and Therapies) den Effekt von MBSR auf das psychische Wohlbefinden, wahrgenommenen Stress und Geburtsangst bei Erstgebärenden – mit positiven Effekten für die Teilnehmerinnen des Achtsamkeitsprogramms.

Eine weitere aktuelle Arbeit (Solmaz & Çelik, Journal of Nursing Scholarship) untersuchte MBSR bei Frauen in den Wechseljahren und fand Verbesserungen bei Lebensqualität, Lebenszufriedenheit, Schlafqualität und psychischem Wohlbefinden. Und bei Brustkrebs-Überlebenden zeigte eine Studie von Rosenfeld und Kolleg*Innen (Psycho-Oncology), dass ein MBSR-Programm den selbstberichteten Optimismus der Teilnehmerinnen steigerte.

Auch für Mütter von Kindern mit körperlicher Behinderung – eine Gruppe mit besonders hoher Dauerbelastung – fand eine Studie von Taşkaya und Kolleg*Innen (Journal of Affective Disorders) in einer einfach verblindeten, randomisiert-kontrollierten Untersuchung, dass ein MBSR-Programm Stress reduzierte und die Lebensqualität verbesserte.

Was das nicht bedeutet

Mir ist wichtig, hier keine Erwartung zu wecken, MBSR sei ein Mittel zur Selbstoptimierung oder eine schnelle Lösung. Die Forschung zeigt vor allem eines: Ein strukturiertes, regelmäßiges Training der Aufmerksamkeit und des Umgangs mit dem eigenen Erleben wirkt sich messbar auf Stresswahrnehmung, Schlafqualität und Lebensqualität aus – nicht, indem Probleme wegmeditiert werden, sondern indem man lernt, ihnen mit mehr Klarheit zu begegnen.

Vielleicht auch für Dich?

Falls Du selbst gerade merkst, dass Stress, ein einschneidender Lebensabschnitt oder emotionale Erschöpfung Dich häufiger begleiten, als Dir lieb ist – das ist ein guter Moment, sich mit einem strukturierten MBSR-Kurs auseinanderzusetzen. Ab dem 22. September 2026 starte ich einen neuen achtwöchigen MBSR-Kurs, dienstags um 18:30 Uhr im Zentrum Neue Horizonte in der Heppenheimer Wilhelmstraße.

Alle Informationen findest Du unter achtsamkeit-heppenheim.de/mbsr. Ich freue mich, wenn Du dabei bist.

Quelle: Mindfulness Research Monthly, Vol. 17, Issue 197 (Jul–Aug 2026), American Mindfulness Research Association, www.goAMRA.org

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