DAK Gesundheitsreport 2019 und die organisationale Achtsamkeit

Der DAK Gesundheitsreport 2019 wurde vor kurzem veröffentlicht und laut dem Report ist der Krankenstand nach einem Anstieg im Vorjahr abermals um 0,1 Prozentpunkte gestiegen. Der Krankenstand im Jahr 2018 lag bei 4,2 Prozent (2017: 4,1 Prozent). Da Sucht und Abhängigkeit für den Bereich der Arbeit immer bedeutsamer für die Arbeitswelt werden, sind sie erstmals Schwerpunktthema des DAK-Gesundheitsreports. Die DAK sieht gravierende Folgen da Millionen Erwerbstätige Probleme durch Alkohol und Computerspiele haben.

Psychische Erkrankungen insgesamt lagen mit einem Anteil von rund 15,2 Prozent an dritter Stelle hinter Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Atmungssystems. Erstmals seit 2006 ist die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen zwar zurückgegangen, allerdings blieb die Zahl der Krankschreibungsfälle konstant bei 7,0 Fällen je 100 Versichertenjahre. Daher sollten laut DAK Einschätzung, Maßnahmen der betrieblichen Prävention und Gesundheitsförderung weiter den Fokus u. a. auf den Abbau von psychosozialen Belastungen wie chronischem Zeitdruck, Arbeitsunterbrechungen, Überforderung etc. legen. Als ein betrieblicher Einflussfaktor dafür könnte die Vermeidung von Arbeitsverdichtung und die damit sinkende Stressbelastung angesehen werden.

Auch wenn „Organisationale Achtsamkeit“ nicht explizit im Report genannt wird, könnte ihre Etablierung unterstützend für die Erhaltung von Gesundheit am Arbeitsplatz wirken. Was aber ist „Organisationale Achtsamkeit“?

Achtsamkeitspraxis wirkt nicht nur auf der individuellen Ebene (Personalentwicklung), sondern auch auf der Ebene der Organisationsentwicklung. Dies wurde hier schon zum Thema Projektmanagement des Öfteren beschrieben. Zur Erläuterung des Begriffs wird die Definition von Claudia Härtl-Kasulke verwendet. Sie kombiniert systemische Aspekte und Begrifflichkeiten aus der Achtsamkeitsforschung.

Achtsame Organisation: Die Organisation, begreift und erfährt sich als lebendiger Organismus. Sie bringt den Willen und die Fähigkeit hervor, sich dem Erleben der inneren und äußeren Umstände zuzuwenden. Dieses Zuwenden in einer Haltung des Wohlwollens, der Neugierde und des Unterscheidungsvermögens entsteht durch die präzise Wahrnehmung auf der geistigen, emotionalen und physischen Ebene.

„Mit Wertschätzung Wert schöpfen“, Härtl-Kasulke, Belz Verlag 2017

Organisationale Achtsamkeit: Diese Grundhaltung setzt sich als Ziel, das Wohlergehen von Individuen und Kollektiven zu nähren. Dies wird bei Entscheidungen berücksichtigt. Das mündet in Handlungen, die als Zusammenspiel in und mit der Organisation und Welt beschrieben werden können.

„Mit Wertschätzung Wert schöpfen“, Härtl-Kasulke, Belz Verlag 2017

Auch wenn organisationale Achtsamkeit nicht primär Gesundheitsfragen in Unternehmen adressiert, so kann ihre Implementierung in Unternehmen zur Reduzierung der Krankheittagen beitragen. Eine Übersichtspräsentation zu dem Thema kann hier heruntergeladen werden. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Drei von der Forschung bestätigte Nutzen von Achtsamkeit am Arbeitsplatz

Viele Studien zeigen mittlerweile, dass Achtsamkeitstrainings das Selbstvertrauen, die kognitiven Fähigkeiten und die Konzentrationsfähigkeit bei der Arbeit erhöhen und so zu mehr Wohlbefinden am Arbeitsplatz führen (https://www.mbsr-verband.de/mbsr-mbct/forschung.html).

Die Forschung konzentrierte sich bisher mehr auf die Wirkung von Achtsamkeit auf das Individuum. Aber hat ihre Etablierung auch am Arbeitsplatz einen Mehrwert, dort wo nur Ergebnisse zählen oder ist es doch nur ein verzichtbares Wohlfühlprogramm? Mit dieser Frage beschäftigen sich mittlerweile immer mehr Studien. Nachfolgend werden beispielhaft drei Nutzen von Achtsamkeitsprogrammen am Arbeitsplatz beschrieben, die in verschiedenen Studien nachgewiesen wurden.

1. Achtsamkeit kann die Führungsqualitäten stärken

A. D. Amar und Kollegen von der University of Westminster haben bereits 2013 die stärkenden Effekte von Meditation auf Führungsqualitäten bei einer Stichprobe von Führungskräften in der Region London gemessen. Die Teilnehmer wurden dafür einem 12-wöchigen Meditationstraining unterzogen.

Ihre in der Academy of Management Proceedings veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass das Training die allgemeine Selbstsicherheit sowie die individuellen Führungsfähigkeiten erheblich steigerte. Meditation verbessert statistisch signifikant die emotionale Intelligenz (EI), das intra- und interpersonelles Management, die Anpassungsfähigkeit, das Stressmanagement und das allgemeine Wohlbefinden. Von allen diesen Faktoren ist bekannt, dass sie die Führungsqualitäten bei Führungskräften verbessern.

Die Studie konnte allerdings nicht belegen, dass sich die Fähigkeiten der Teilnehmer als Vorbild zu fungieren und andere handlungsfähig zu machen statistisch signifikant verbessert hätte – dies sind Bereiche, die in Zukunft noch genauer untersucht werden müssen.

2. Mit Achtsamkeit überbehütenden Chefs begegnen

Gemäß einer in der Zeitschrift Mindfulness veröffentlichten Studie, sind Mitarbeiter emotional weniger belastet und mit Ihrer Arbeit zufriedener, wenn die Führungskraft achtsam agiert. Diese Studie enthüllte jedoch auch eine Einschränkung: Wenn grundlegende psychologische Bedürfnisse wie das Gefühl der Autonomie und der Verbundenheit mit anderen Menschen nicht erfüllt werden, können die Vorteile eines achtsamen Vorgesetzten verloren gehen.

Eine weitere Studie baute auf diesen Erkenntnissen auf, indem sie speziell den Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Autonomie untersuchte. Die Forscher untersuchten bei 259 Teilnehmern verschiedene Eigenschaften auf achtsame Aspekte – wie zum Beispiel die Fähigkeit, über einen langen Zeitraum hinweg aufmerksam zu sein (Aufmerksamkeitsspanne) – und untersuchten, für wie autonom sie sich bei der Arbeit einschätzten (im Gegensatz zu einem kontrollierenden Führungsstil).

In Anlehnung an die Ergebnisse der ersten Studie stellten die Forscher fest, dass sowohl Autonomie als auch Achtsamkeit „in direktem Zusammenhang mit dem Wohlbefinden der Mitarbeiter bei der Arbeit stehen“. Das Gefühl, bei der Arbeit weniger Unterstützung zu erhalten, war mit einem schlechteren Gesundheitszustand und weniger Glücksempfindung verbunden. Diese indirekten Effekte, so stellten die Forscher fest, wurden durch Achtsamkeit gemildert – was bedeutete, dass achtsamere Menschen weniger frustriert waren, selbst wenn die Vorgesetzten ihre Autonomie beschränkten.

Achtsamere Menschen waren weniger frustriert, selbst wenn die Vorgesetzten ihre Autonomie beschränkten.

Mindfulness, Work Climate, and Psychological Need Satisfaction in Employee Well-being

„Achtsamkeit scheint daher ein Schutzfaktor in kontrollierenden Arbeitsumgebungen zu sein“, folgern die Forscher.

3. Achtsamkeit kann das allgemeine Wohlbefinden steigern

Wenn Achtsamkeit im Büro für positive Effekte sorgt, wie können Schulungen für ihre Etablierung am besten durchgeführt werden?

In einer im Journal of Occupational and Environmental Medicine veröffentlichten Studie wurde untersucht, ob das für ein bestimmtes Unternehmen, die Dow Chemical Company, entwickeltes Online-Achtsamkeitsprogramm Stress reduzieren und gleichzeitig die Resilienz und das Wohlbefinden der Mitarbeiter verbessern konnte.

Neunundachtzig Teilnehmer schätzen ihren Grad an Stress, Achtsamkeit, Belastbarkeit und Vitalität in wissenschaftlichen Fragebögen ein. Sie wurden dann in zwei Gruppen eingeteilt – eine Gruppe für die direkte Teilnahme am Online-Programm und die zweite Gruppe für einen späteren Start.
Nachdem die erste Gruppe das Programm absolviert hatte, untersuchten die Forscher sechs Monate später, wie es allen Teilnehmern ging. Sie stellten fest, dass die Gruppe, die den Kurs belegte, viel besser abschnitt – die Gruppenmitglieder waren weniger gestresst, stärker belastbarer und hatten ein höheres Energielevel als die Mitglieder der Gruppe, die den Kurs noch nicht belegen konnte.

„Die Online-Achtsamkeitsmaßnahme schien sowohl umsetzbar als auch erfolgreich zu sein, um das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeiter zu verbessern“, folgern die Forscher.

Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form im mindful Onlinemagazin und wurde von dort übersetzt und ergänzt. Den Originalartikel anzeigen.

Eine Meditationsgruppe am Arbeitsplatz einrichten

Selbst in Zeiten der Heimarbeit verbringen die Berufstätigen immer noch viel Zeit an ihrer Arbeitsstelle, im Büro, in der Werkshalle, auf der Baustelle, unterwegs oder wo auch immer sie der Job hinführt. Damit ergeben sich viele Möglichkeiten Achtsamkeit an die unterschiedlichsten Orte zubringen. Unsere individuelle Praxis der am Arbeitsplatz ist ein integraler Bestandteil des Prozesses Achtsamkeit in unseren Alltag zu etablieren. Wenn wir uns aber ausschließlich auf unsere individuelle Praxis konzentrieren, verpassen wir eine großartige zusätzliche Chance des persönlichen Wachstums. Eine weitere Möglichkeit ist nämlich, sich mit Kollegen zusammenzutun und zu praktizieren. In einer Gruppe können neue und starke Impulse für alle Mitglieder entstehen und so können sie gegenseitig voneinander für ihre eigene Praxis profitieren. Die Umsetzung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, die Etablierung einer Meditationsgruppe, einen regelmäßigen Austausch zu Büchern oder Best-Practices, achtsame Mittagessengruppen oder Anderes. Dies wird sich von Unternehmen zu Unternehmen aufgrund unterschiedlicher Tätigkeitsfelder, Kultur, Gegebenheiten und sozialem Umfeld unterscheiden.

Achtsamkeitsgruppen am Arbeitsplatz (Photo by Lesly Juarez on Unsplash)

Wie aber anfangen und muss das nicht von den Vorgesetzten oder dem betrieblichen Gesundheitsmanagement organisiert werden? Nein, es muss nicht von oben angeordnet und organisiert werden. Die erfolgreichsten Programme bei Unternehmen wurden von Mitarbeitern für Mitarbeiter initiiert. Mit anderen Worten, man muss nicht darauf warten, dass der Arbeitgeber Raum für Achtsamkeit schafft – Mitarbeiter können ihrem Unternehmen Achtsamkeit schenken, indem sie eine achtsame Community gründen. Wie könnte man dazu aber vorgehen?

Werde Dir erst einmal über Deine Absicht bewusst

Werde Dir, am besten mit Unterstützung Deiner eigenen Praxis, Deiner Absicht und Ziele bezüglich der Organisation einer Achtsamkeitsgruppe bei Deinem Arbeitgeber bewusst. Was erhoffst Du Dir zu erreichen? Möchtest Du, dass sich Kollegen gegenseitig helfen, besser mit Stress umzugehen oder soll eine Kultur des Bewusstseins aufgebaut werden, indem zum Beispiel Stille erfahrbar wird? Oder ist Dein Ziel der Aufbau eines Netzwerkes zum Austausch von Ideen, Erfahrungen, Übungen oder ähnlichem?

Finde jemanden der Deine Idee unterstützt

Innerhalb von Unternehmen gibt es häufig Strukturen und Prozesse, die für die Nutzung von Räumen, Kommunikationskanälen und anderem berücksichtigt werden müssen. Des Weiteren sind rechtliche Vorgaben einzuhalten. Daher ist es hilfreich eine Person die im Unternehmen eine formale oder informell leitende Position inne hat, für die Idee zu begeistern und als Unterstützer zu gewinnen. Mit ihrer Unterstützung können innerbetriebliche Hürden einfacher und schneller genommen werden. Diese Person muss nicht zwangsläufig selbst Teil der Gruppe sein, es ist ausreichend wenn sie die Idee unterstützt. In diesem Fall sollte aber zumindest ein regelmäßiger Austausch mit ihr erfolgen.

Wähle eine qualifizierte Person für die Leitung aus

Abhängig vom Ziel der Community wird eine qualifizierte Person für die Leitung der Gruppe benötigt, das musst nicht automatisch Du sein. Wenn es um die gemeinsame Praxis geht, sollte jemand mit Anleitungserfahrung die Gruppe leiten. Wenn es um den Austausch geht, könnte von Termin zu Termin jemand anderes ein Thema aus seiner eigenen Erfahrung vorstellen und den Austausch organisieren. Alternativ sind auch online Ressourcen verfügbar, mit angeleiteten Meditationen oder anhand derer man Treffen planen und durchführen kann. Sollte niemand dafür zur Verfügung stehen, kann Unterstützung bei Achtsamkeitszentren, wie zum Beispiel beim Zentrum für Achtsamkeit und Mitgefühl in Heppenheim :-), gefunden werden.

Konsistenz und Kontinuität

Konsistenz und Kontinuität sind der Schlüssel zum erfolgreichen Aufbau einer Achtsamkeit Community im Unternehmen (und im allgemeinen ebenfalls). Sei konsistent und verlässlich in Bezug auf Inhalt und Ort. Trefft Euch zur gleichen Zeit und am gleichen Ort und bietet ein konsistentes Format an – das hilft den Teilnehmern zu planen und Vertrauen in die Verlässlichkeit der Gruppe aufzubauen. So kann die Gemeinschaft zu einer unterstützenden Ressource für die individuelle Praxis werden. Bezüglich der räumlichen Voraussetzungen gilt, dass man mit den räumlichen Voraussetzungen arbeiten sollte die existieren. Das kann schon die erste Achtsamkeitspraxis sein, nämlich die der Akzeptanz. Es gilt: Das Treffen selbst ist wichtiger als der Raum in dem das Treffen stattfindet.

Sei realistisch und geduldig

Der Aufbau solch einer Achtsamkeitsgemeinschaft kann viele Monate in Anspruch nehmen. Es ist sogar wahrscheinlich, dass niemand zu den ersten Treffen erscheint. Sei bereit, im Raum zu bleiben und alleine zu praktizieren. Es ist wahrscheinlich, dass Leute zu spät kommen oder früher gehen müssen. Mach all dies zu einem Teil der Praxis. Hole die Menschen dort ab, wo sie sich gerade zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Entwicklung befinden. Sei allerdings auch achtsam zum Rest der Gruppe und vermeide soweit wie möglich störende Unterbrechungen. Sei offen für die Bedürfnisse der Gruppe und sei bereit, im Geiste der Konsistenz und Kontinuität, Anpassungen vorzunehmen und zu experimentieren, wenn es nötig ist.

Möge die Macht der achtsamen Erfahrung mit Euch sein.

Keine Zeit zum Meditieren?

Unser Leben ist voll mit Terminen, Verpflichtungen und anderen Dingen die uns beschäftigt halten. Einige Tage kommen uns hektischer vor und andere sind hoffentlich etwas ruhiger. Wenn wir mit Aufgaben in der Familie, mit Terminen von der Arbeit und mit Unternehmungen mit Freunden jonglieren, geht in der Hektik schnell mal ein Vorhaben unter. Leider ist das allzu oft die tägliche Praxis der Achtsamkeit.

Raum zur Achtsamkeitsmeditation

Ich bekomme häufig als Rückmeldung von Teilnehmern der MBSR Kurse, dass die Praxis in den Alltag einzubauen eine der größten Herausforderungen darstellt. In solchen Situationen gibt es Möglichkeiten die Praxis trotz Zeitmangel nicht gänzlich zu vernachlässigen. Dazu gehört aber auch, wahrzunehmen, dass momentan nur wenig Zeit für Deine Praxis bleibt und, dass Du Deine Prioritäten noch einmal überprüfen solltest. Wenn Dir dauerhaft keine Zeit für längere Meditationen bleibt, scheint etwas Grundlegendes falsch zu laufen. Nutze also diese nachfolgenden Optionen nicht als Ausrede.

Situation Gelb: Gut beschäftigt, aber noch Zeit für Achtsamkeitspausen

Wenn Du keine Zeit für längere Pausen hast um Achtsamkeit zu praktizieren, kannst Du versuchen Deine Praxis auf kürzere Übungen aufzuteilen. Dies können kurze Übungen aus der informellen Praxis des MBSRs sein. Vielleicht helfen Dir kurze Achtsamkeitsphasen bei der Morgenwäsche, z.B. drei bewusste Atemzüge vor dem Spiegel oder langsames und bewusstes Zähneputzen, indem Du Deine Gedanken immer wieder auf das Zähneputzen zurück bringst. Dann kannst Du bei Deinem Lieblingsgetränk am Morgen weiter machen, indem Du es bewusst trinkst und immer wieder Pausen machst. Mit dem bewussten Wahrnehmen des Geschmacks, kannst Du vielleicht mehr mit Deinem Körper in Kontakt kommen. Im Laufe des Tages ist es Dir vielleicht möglich einen achtsamen Spaziergang einbauen, auch wenn es nur ein kurzer ist. Nimm dabei wahr, wie die Füße den Boden berühren und Du vom Boden getragen wirst. Ein Spaziergang ist eine wundervolle Möglichkeit den Kopf frei zu bekommen. Nimm Dir beim Abendessen einen Moment Zeit, um dankbar für die Speisen zu sein und denke an all die Menschen und Kräfte, die an der Herstellung beteiligt waren. Dieser kleine Moment der Dankbarkeit kann das Abendessen zu einem Festmahl werden lassen. Und am Abend kannst Du Dir im Bett vielleicht 3-5 Minuten Zeit nehmen, bewusst Deinem Atem und Deine Gedanken zu beobachten.

Situation Rot: Sehr beschäftigt, aber kurze Übungen über den Tag sind möglich

Manchmal haben wir nur ein paar Minuten für uns selbst – und das ist in Ordnung. Selbst wenn Du nur eine kurze Pause einlegst, um tief durchzuatmen, um zu erkennen wie Du Dich gerade in diesem Moment fühlst, um Deine Umgebung wahrzunehmen, das kann ausreichen um den Autopiloten zu beenden. Folgende zweiminütige Übung des Innehaltens ist überall möglich, am Schreibtisch, an der roten Ampel oder sogar auf der Toilette.

  • Nimm einen tiefen Atemzug.
  • Frage Dich, was ist jetzt in diesem Moment?
  • Was kann ich an Körperempfindungen wahrnehmen , meine Haltung, Müdigkeit, Hunger, Spannung, Schmerz, Wärme, Kälte, Leichtigkeit
  • Welche Gedanken sind jetzt da, vielleicht Tagträume, Überlegungen, Planungen, Erinnerungen?
  • Welche Empfindungen kann ich wahrnehmen, vielleicht ist da Langeweile, Ablehnung, Interesse, Freude?
  • Alles offen und wohlwollend wahrnehmen wie es jetzt ist ohne es zu bewerten oder sich dafür zu verurteilen.

Und dann wieder den Raum wahrnehmen in dem Du Dich befindest.

Situation Dunkelrot: Total Land unter, aber kurze Momente der Achtsamkeit sind möglich

Wenn Du absolut zu beschäftigt bist, beim achtsamen Kaffeetrinken tief zu atmen oder Dir zwei Minuten für ein Innehalten zu nehmen, dann mache Dinge die Du sowieso tust achtsam, zum Beispiel etwas schreiben, Auto fahren, jemandem zuhören oder etwas lesen. Versuche es zu vermeiden, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen.
Versuche zum Beispiel achtsam eine E-Mail zu schreiben:

  • SCHREIBE die E-Mail
  • STOPPE und nimm einen langen tiefen Atemzug. Nimm den Atem wahr und zähle bis drei, vielleicht im Rhythmus des Atems
  • DENKE an den Empfänger, wie soll die Person Deine E-Mail empfangen? Könnte sie Worte missverstehen, wütend werden oder sich angegriffen fühlen? Vielleicht nimmt sie Dich auch positiver wahr, als Du es beabsichtigst?
  • ÜBERPRÜFE Deinen Entwurf noch einmal
  • VERÄNDERE ihn wenn nötig
  • VERSENDEN

Vielleicht helfen Dir diese Punkte an der einen oder anderen Stelle Achtsamkeit in Deinen Alltag zu integrieren und darum geht es doch schließlich, oder?