Achtsame Bewegungen

Einführung in die Übung der achtsamen Bewegungen
Übungen im Stehen von Rüdiger Standhardt in Zusammenarbeit mit R. Sriram

Allgemeine Hinweise
Bitte achte bei der Ausführung der Übungen darauf, was jetzt im Moment möglich ist, ohne über Deine Grenzen zu gehen, und lasse das aus, was für Dich im Augenblick nicht angebracht erscheint.
Während wir ein tieferes Gewahrsein und Gespür für uns selbst entwickeln, arbeiten wir im Grunde immer an den Grenzen dessen, was wir gerade tun können. Es ist wichtig sich dieser Grenzen bewusst zu sein und lange genug am Rand dieser Grenzen zu verweilen, um sie zu erfahren. Aber es ist ebenso wichtig, sich nicht anzutreiben, über die Grenze hinauszugehen. Stattdessen schauen wir in jedem Augenblick tief in sie hinein, akzeptieren sie voll und ganz und zwingen uns nicht anders zu sein, als wir im Moment sind.

Perspektivwechsel

Zu Führen bedeutet oft voran zugehen, einen Plan zu haben, zu wissen was Sache ist. In Deiner Rolle als Führungskraft bist Du Vorbild, hast aber bisweilen vielleicht auch das Gefühl alleine an vorderster Front zu stehen. Dabei musst Du gar nicht alles selbst machen oder wissen. Ein unvoreingenommener Blick auf die Welt ist oft die beste Führung, denn dann führt das Leben selbst und Du führst mit ihm.
Diese Meditation hilft Dir dabei Deine Perspektive bei Deiner Arbeit zu verändern. Im inneren Dialog mit dem was ist, bist nicht mehr alleine Du der Lösungen bereitstellen muss, sondern Du lernst Dich von Lösungen finden zu lassen, die aus der bestehenden Situation erwachsen. Dieser Stimme der inneren Führung zu lauschen, mag am Anfang etwas ungewöhnlich oder sogar etwas herausfordernd zu sein, aber je öfter Du Dich darin übst, umso vertrauter wird sie Dir.

Im Flow sein

Wenn wir an Führung denken, denken wir meist zugleich an Macher-Qualitäten. Führungskräfte sollen stark sein, etwas bewegen. Und dies erst recht, wenn sich Hindernisse zeigen. Das bringt uns leicht in die Position gegen Wiederstände reflexhaft anzugehen und wir ignorieren dabei den Rückenwind, der uns oft viel leichter ans Ziel bringt.
Vielleicht fühlst Du Dich durch diese Meditation besonders herausgefordert. Den leichteren Weg zu wählen, bedeutet im Business oft, sich vor etwas zu drücken oder nicht genügend Power zu haben sich durchzusetzen. Es kann jedoch auch eine kluge Entscheidung sein, keine Energie zu verschwenden. Nicht versuchen etwas durchzudrücken. Was gerade passt kannst Du immer wieder aufs Neue herausfinden. Und diese Meditation hilft Dir dabei Deine Unterscheidungsfähigkeit zu trainieren und den Rückenwind zu finden.

Wesen der Motivation

Gute Führung hat viel mit Motivation zu tun, mit der Fähigkeit in sich selbst den tiefsten Punkt des Engagements zu finden und von diesem Ort aus zu handeln. Und mit der Fähigkeit diese Dimension auch in anderen Menschen zu erkennen und zum Schwingen zu bringen. Motivation ist unsere tiefste menschliche Lebendigkeit. Wir schöpfen aus ihr, wenn wir uns erlauben diesem Mensch-Sein wirklich zu begegnen.
Im Business versuchen wir häufig unsere eigene Motivation und die anderer auf das Erfüllen von Aufgaben zu richten. Unser Blick ist mehr bei diesem Ziel als bei dem Ursprung unseres Antriebs. Diese Meditation hilft Dir dabei das tiefere Wesen der Motivation zu ergründen. Wenn Du mit Deinem eigenen tiefsten Antrieb und dem anderer in Kontakt kommst, findet die Motivation, wie von selbst den ihr angemessenen Weg und Ausdruck.

Sitzmeditation kurz

Die Sitzmeditation ist das Herzstück der formalen Meditationspraxis. Weder das Atmen noch das Sitzen fällt uns schwer, da wir es andauernd und völlig natürlich tun. Was das Sitzen in der Meditation vom normalen Sitzen unterscheidet, ist die innere Einstellung der Achtsamkeit, die ja auch dem Atem in der Meditation seine besondere Qualität verleiht.
In der Sitzmeditation entspannt man sich in die Ruhe und den Frieden hinein, der unter der von Gedanken aufgepeitschten Oberfläche des Geistes herrscht. Es ist nicht so schwierig, wie man meinen könnte. Man betrachtet die Gedanken wie am klaren Sommerhimmel vorüberziehende Wolken und lässt sie los, betrachtet sie und lässt sie los, betrachtet sie und lässt sie los.

Sich ganzheitlich zeigen

Im modernen Business hat sich über die letzten Jahre eine eigene Vorstellung über die Professionalität etabliert. Wenn wir möglichst nüchtern unseren Aufgaben nachgehen und versuchen die angestrebten Ziele zu erreichen, fühlen wir uns professionell. Persönliches wie unsere emotionale Befindlichkeit, hat bei der Arbeit eher nichts zu suchen, so glauben wir jedenfalls. Was aber wäre möglich, wenn wir im Job und wenn wir andere führen, wirklich ganz Mensch sein könnten?

Was ist wesentlich?

Strategien, Ziele und klar definierte Aufgaben sind wie das Rückgrat des Geschäftslebens, denn sie vermitteln Orientierung. Doch manchmal entfalten sie ein Eigenleben, dann sind wir nicht mehr bei dem was gerade ist, sondern jagen Ideen nach, die vielleicht schon längst überholt sind. Wir können jedoch unsere Wahrnehmung schulen für das was im Moment wesentlich ist ohne dabei den größeren Kontext, in dem wir arbeiten über Bord werfen zu müssen.

Meditation mit Tönen

Mache Geräusche zu Deinem Meditationsgegenstand

Vögel zwitschern. Das Leben findet wieder vermehrt draußen statt. Es wird wieder gebaut. Ja, der Frühling ist voll von Geräuschen – aber anstatt sie als störend wahrzunehmen und sie zu versuchen auszusperren, verbringe einige Zeit damit, alle Zeichen des Lebens die an Dein Ohr dringen zu umarmen. Folge dieser 15-minütigen geführten Meditation über Geräusche, so kannst Du Achtsamkeit auch ohne Stille in Deiner Umgebung üben.

Sitzmeditation

Definition

Ganz ähnlich wie bei Yoga geht es bei der Sitzmeditation um das allmähliche Zur-Ruhe-Bringen des Geistes, nur mit dem Unterschied der Bewegungslosigkeit im aufrechten, würdevollen und bewussten Sitzen. „Die Meditation ist eine Art von Beschäftigung, wenn nicht gar die einzige, bei der es nicht darum geht, etwas zu erreichen oder irgendwohin zu gelangen, sondern darum, vollkommen da zu sein. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um unser Da-Sein.“ (Jon Kabat-Zinn)

Yoga

Definition

Yoga ist ein Sanskritwort und heißt so viel wie Joch. Das Joch verbindet immer eine Zweiheit zur Einheit: zwei Ochsen, zwei Eimer etc. bzw. übertragen auf unsere Situation: das Maskuline und das Feminine bzw. die Aktion und die Intuition. Yoga ist also die Rückkehr zur Einheit, die Einheit, die in uns immer schon da ist, die wir aber durch unsere unbewussten Alltagsbewegungen verloren haben. Im Yoga-Sutra (YS) des Pantanjali, dem ältesten Textbuch des Yoga wird Yoga gleich zu Beginn (I. Kapitel, 2. Sutra) wie folgt definiert:

„Yoga ist das allmähliche Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen des Geistes.“

Yoga ist weder Akrobatik, noch hat sie etwas mit „Verkrampfen“ oder „Verknoten“ zu tun. Im Yoga geht es
um einfache Körperbewegungen, die achtsam ausgeführt und meistens „dynamisch“ geübt werden.

Yoga ist seit 1979 die zweite Meditationspraxis im Rahmen des MBSR-Trainings. Einzelne Stehübungen werden ab der ersten oder zweiten Kurswoche mit den Teilnehmenden praktiziert. Als Meditationspraxis wird eine Yogareihe in der dritten Kurswoche eingeführt.